Illegale Drogen in der Hasenheide

Die erste teilnehmende Beobachtung im Volkspark Hasenheide findet am 23. Mai 2003 gegen 16.00 Uhr bei regnerischem Wetter statt.

Der Volkspark Hasenheide gilt als sozialer Brennpunkt, weshalb sich unsere Gruppe dazu entschied, hier eine teilnehmende Beobachtung durchzuführen.

Die Lage des Parks in Kreuzberg, dem sozial schwächsten Stadtteil Berlins, und auch in unmittelbarer Nähe zu Neukölln, einem ebenfalls als sozial schwach zu wertenden Stadtteil, ist wohl ein wichtiger Aspekt, weshalb man an diesem Ort auf eine Klientel trifft, die als gesellschaftliche Unterschicht einzustufen ist. Der hohe Bevölkerungsanteil türkischstämmiger und arabischer Jugendlicher in diesen beiden Stadtteilen und deren Perspektivlosigkeit scheint sich in diesem Park ebenfalls widerzuspiegeln. Arabische und türkische Jugendliche und auch einige Schwarzafrikaner versuchen in der Anlage ihren Lebensunterhalt, oder zumindest einen Teil davon, durch den Verkauf illegaler Drogen zu gewährleisten, worin ein weiterer Grund liegen könnte, weshalb hier zu einem großen Teil Menschen anzutreffen sind, die aus sozial weniger gefestigten Schichten stammen. Ein weiterer Grund könnte die Größe des Parks sowie seine verwinkelte Struktur sein, die eine Vielzahl an Verstecken und Rückzugsmöglichkeiten bietet. Für Obdachlose finden sich hier eine Reihe von Möglichkeiten, sich zurückzuziehen und in Ruhe gelassen zu werden.

Schon am Eingangstor des Parks wird ein Teilnehmer aus unserer Gruppe, als er gerade noch auf die anderen wartet, gefragt, ob er an Marihuana interessiert sei. Auch als Gruppe von vier Personen werden wir während des Spaziergangs mehrmals angesprochen und das auch, nachdem wir mehrmals deutlich machen, dass wir kein Interesse hätten. Als wir aber den Vorderteil des Parks verlassen, endet diese Kontaktaufnahme.

Im Park sind an diesem Tag kaum BesucherInnen anzutreffen, so dass wir uns auf das Verhalten der Dealer konzentrieren. Es handelt sich bei diesen ausschließlich um männliche Jugendliche und junge Erwachsene. Diese agieren allein oder in Gruppen, die sich durch ihre Nationalitäten unterscheiden. Mehrere Dealer sind mit Fahrrädern unterwegs. Die Dealer agieren innerhalb ihrer Gruppe miteinander scheinbar ohne Konkurrenz. Unter den verschiedenen Dealer-Gruppen besteht im Park allerdings kein Kontakt, sie sind räumlich voneinander getrennt.

Während der Beobachtung steht permanent ein Akteur, der öfter mit den Dealern kommuniziert, an einem strategisch günstigen Punkt, um den Eingang zur Hasenheide zu beobachten. Wir vermuten, dass dieser bei Gefahr, zum Beispiel wenn die Polizei auftaucht, die anderen warnen soll. Diese Situation tritt aber während unserer Beobachtung nicht ein. Insgesamt wirken die Dealer nicht ängstlich, die Kontaktaufnahme erfolgt aber sehr defensiv und leise.

Die zweite Beobachtung findet bei sonnigem warmem Wetter am Sonntag, den 1. Juni 2003 statt, wobei wir diesmal aber einen anderen Teil des Parks besuchen als beim ersten Mal.

An diesem Tag ist der Park wesentlich besser besucht als in der Woche zuvor, wobei die BesucherInnen heterogen gemischt sind: Es halten sich viele türkische Großfamilien hier auf. Daneben sehen wir männliche und weibliche Singles, studentische Gruppen und insgesamt viele Kleinkinder.

Wir richten unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Dealer, wobei uns diesmal auffällt, dass sie sich nicht auf Deutsch unterhalten. Einige von ihnen erkennen wir vom ersten Mal wieder. Sie wirken an diesem Tag wesentlich entspannter als beim letzten Besuch, vermeiden es aber auch, ParkbesucherInnen so offensichtlich anzusprechen wie uns.

Johanna Becker
Simon Mayer
Mark Nass
Yasmin Zibner
(Werkstatt "Armutszeugnisse", SoSe 03, WiSe 03/04)

   
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