Armut in Berlin - am Beispiel Berlin-Wedding

Berlin Wedding ist ein Bezirk mit für Berlin vergleichsweise hoher Bevölkerungsdichte (ca. 160.000 EinwohnerInnen auf 15,4 km²) und hat mit über 30 % den zweithöchsten AusländerInnenanteil innerhalb Berlins. Wedding ist vor allem ein ArbeiterInnen, Arbeitslosen- und AusländerInnenbezirk, vor allem aufgrund der günstigen Lebenshaltungskosten.

Beobachtung am Nettelbeckplatz

Schaufenster einer Spielhalle am Weddinger Nettelbeckplatz
Schaufenster einer Spielhalle am Weddinger Nettelbeckplatz

Die nachfolgende Beobachtung wurde zweimal, am 03.07. und am 05.07.2003, jeweils in den frühen Abendstunden durchgeführt. Unsere Eindrücke stehen im Kontrast zu einer dieser Beobachtung vorangegangenen, am Weddinger Leopoldplatz die allerdings aufgrund eher magerer Ergebnisse keine Verwendung findet.

Am S-Bahnhof Wedding, angrenzend an die Reinickendorfer Straße, gelegen, kann der Nettelbeckplatz getrost als eine der schöneren Ecken Weddings betrachtet werden. Dies mag an der Vielzahl von Laubbäumen, den einladenden Bänken, dem Brunnen in der Mitte des Runds oder den häufig stattfindenden Märkten liegen, ein grundlegender Unterschied zu vergleichbaren Plätzen wie etwa dem 3 Minuten entfernt gelegenen Leopoldplatz.

Wo sich am Leopoldplatz vorrangig Menschen treffen um gemeinsam zu trinken, war hier auffällig, dass der Alkohol eine eher untergeordnete Rolle spielte und es hauptsachlich ältere Menschen, insbesondere Menschen türkischer Herkunft waren, die sich trafen.

Des Weiteren war auffällig, dass die Gruppenstärke, sprich die Anzahl der miteinander in direktem Kontakt Stehenden, geringer war und es fast nur immer "Paare" waren, die miteinander kommunizierten. Fast hatte es den Anschein, als wäre der Nettelbeckplatz eine Art günstige Alternative zu den umliegenden Cafés, was auch darin Niederschlag fand, dass die Anwesenden mit Nahrung und Getränken (Tee, Kuchen) bestens ausstaffiert waren. Auch machte hie und da eine Wasserpfeife die Runde.

Als besonderer Treffpunkt war noch ein Büro für Sportwetten auszumachen, das mit einem nach außen weisenden Fernseher eine eher jüngere Klientel anzog.

Auffällig im Vergleich zum Leopoldplatz war auch die entspannte, gelassene Stimmung und die Tatsache, dass hier niemand offensiv andere um Geld oder sonstiges ansprach.

Christoph Barth
Wolfgang Roßkopf
(Werkstatt "Armutszeugnisse", SoSe 03, WiSe03/04)

 

© armutszeugnisse.de | Realisation: flamme rouge gmbh